Zielpunkt wohlbefinden | Selle Royal

Zielpunkt wohlbefinden

People & Partners
Produkt & Tech

Zielpunkt wohlbefinden
April 2016

Siebentausenddreihundertfünfundvierzig Kilometer, über den Daumen gepeilt. 
Angefangen hat alles mit einer Spazierfahrt, mit einer klassischen Radtour unter Freunden am ersten Aprilsonntag, unter den ersten warmen Sonnenstrahlen.
Ich weiß nicht, ob es das angenehme Gefühl der frischen Luft im Gesicht oder eine etwas zu steile Steigung war – plötzlich wurde mir jedenfalls knallhart bewusst, dass ich mich selbst schon seit viel zu langer Zeit nicht mehr wirklich liebte. 
Im Winter wird man oft eigenbrötlerisch wie ein Bär, doch der Frühling ist viel zu schön, um die Winterruhe endlos fortzusetzen. 

Und dann ist das Fahrrad zu meiner Droge geworden. Zu einer Droge ohne andere Nebenwirkungen als die Abhängigkeit.
Von 20 km pro Woche auf 20 km pro Tag – das geht im Nu.
Jedes Mal, wenn du dich in den Sattel schwingst, fühlst du dich lebendig wie seit langem nicht mehr und wenn du dann nach einer ausgiebigen Tour wieder absteigst, dann erfüllt dich eine neue, nie zuvor erlebte Lebenskraft. 
Du könntest natürlich auch joggen gehen – aber magst du es nicht viel lieber, wenn die Welt an dir vorübergleitet?
Du könntest natürlich auch ins Fitnessstudio gehen – aber da würdest du die Welt wahrscheinlich gar nicht mehr sehen, oder?

Die Kilometerzahl steigt, die Dosis wird erhöht. 
Einst mühsam eroberte Steigungen erscheinen nun sanfte Hügel, das Pedal lässt sich beinahe widerstandslos durchtreten, steile Wegstrecken schrecken dich nicht mehr ab, sondern sind Herausforderungen, ja quasi Provokationen.
Und da fängt es dann an, dass du dich selbst übertreffen willst, dass du immer mehr Kilometer zwischen dich und ein eigenbrötlerisches Bär-Ich legen willst. Eine ganz persönliche Angelegenheit ist das, ein einsamer Wettkampf mit dir selbst.
Deine Gegner sind die Anstrengung, das immer stärker pochende Herz, der Schweiß, der deine Willenskraft zu brechen droht. 
Aber die Beine lassen dich nicht im Stich. Niemals.
Und wenn du dann oben auf dem Gipfel angelangt bist, ja dann fühlst du dich wie der König der Welt.

Der Frühling ist wieder da. Siebentausenddreihundertfünfundvierzig Kilometer mehr in den Beinen und vier Kilo weniger auf den Rippen.
Ein Jahr ist vergangen und ich sehe fünf Jahre jünger aus. 
Jetzt bin ich kein eigenbrötlerischer Bär mehr. Keine Steigung ist mir zu steil. 
Die frische Luft im Gesicht, die liebe ich jedoch noch immer.

Kommentare 0