Was eine Sattelmarke bei der London Fashion Week zu suchen hat

Seien wir ehrlich. Als Hersteller von Fahrradsätteln findet unser typisches „Großevent“ in einer etwas stickigen Messehalle in Deutschland statt. Ein Ort, geprägt vom allgegenwärtigen Duft von Aufbackbrezeln, ernsten Diskussionen über Schaumstoffdichten und einem Dresscode, der beim weißen Logo T-Shirt beginnt und aufhört.
Dass wir uns also plötzlich im kreativen Chaos der London Fashion Week für die Herbst/Winter-Show 2026 von Johanna Parv wiederfanden, war – sagen wir mal so – ein ziemlicher Gangwechsel.
Wir waren dort, um Selle Royal zu repräsentieren. Ja, Selle wie in Sättel. Wir verbringen enorm viel Zeit damit, über eure Sitzbeinhöcker nachzudenken, damit ihr es nie tun müsst. Und wir waren dort, weil Johanna Parv – eine estnische Designerin, die urbane Cycling-Outfits in Kleidung verwandelt hat, die man tragen will statt nur tragen muss – uns gefragt hat, ob wir gemeinsam etwas umsetzen wollen.

Die Schönheit des Kontrasts
Als wir am Samstag die Location betraten, waren wir innerlich darauf eingestellt, uns wie Außerirdische zu fühlen. High Heels gehören nicht zu unserer Welt. Wir leben in atmungsaktiven Funktionsstoffen, und trainierte Waden klauen in modischen Hosen gern mal die Aufmerksamkeit.
Modeleute wirken einschüchternd. Sonnenbrillen drinnen, mühelos cool. Radfahrer dagegen wirken auch einschüchternd, weil sie einem schon vor dem ersten Kaffee Statistiken über Wattzahlen, Trittfrequenz und Kilometer um die Ohren hauen.
Zwei komplett verschiedene Welten. Dachten wir zumindest.
Doch kaum waren wir drin, wurden wir eines Besseren belehrt. Es gab mehr Gemeinsamkeiten zwischen unseren Welten, als wir erwartet hatten. Wir saßen neben jemandem, der genauso herrlich deplatziert wirkte wie wir. Wir kamen ins Gespräch, und er gab mit völliger Aufrichtigkeit zu, dass er eigentlich gar nicht wusste, was er hier machte. Er war Schreiner, ein Handwerker, der in der ersten Reihe eines globalen Mode-Events saß und sich fragte, ob er im falschen Gebäude gelandet war.
Als die Models ihre letzte Runde drehten und Johanna Parv selbst heraustrat, um sich zu verbeugen, hellte sich das Gesicht unseres Sitznachbarn auf. „Das ist eine Freundin von mir!“, grinste er. „Deshalb bin ich hier!“
In diesem Moment bekam der High-Fashion-Glanz Risse und gab den Blick auf etwas viel Nahbareres frei: Ein Freund, der gekommen war, um eine Freundin zu unterstützen. Es war lustig, menschlich und hat uns komplett geerdet.
Und wir dachten: Wie oft ist die Distanz, die wir zwischen uns und anderen Welten spüren, eigentlich viel kleiner, als wir glauben?
Wir stecken Dinge gern in Schubladen. Das ist Sport. Das ist Kunst. Das ist Funktion. Das ist Luxus. Aber manchmal reicht ein Schritt über die eigene Linie und plötzlich verschwimmen diese Kategorien ganz von selbst.

Eher gefühlt als gemessen
Johanna Parv versteht, dass man nicht aussehen will, als würde man gleich eine Etappe der Tour de France fahren, nur weil man mit dem Rad zum Meeting fährt. Ihre Designs sind ein „Manual for Movement“ – ein Konzept, für das auch wir bei Selle Rozal stehen. Wir stellen nicht nur Sättel her; wir ermöglichen Bewegung.
Das Thema der A/W 2026 Show lautete "The Intimacy of Distances". Die Programmnotizen sprachen davon, wie Zeit, Geschwindigkeit und Distanz eher gefühlt als gemessen werden.
Das hat sofort Klick gemacht. Denn wenn jemand weiß, wie sich Distanz anfühlt, dann wir. Wir wissen ziemlich genau, warum sich 15 Kilometer anders anfühlen als 50. Distanz ist nichts Abstraktes. Sie ist ein Zusammenspiel aus Körper, Rad und Stadt. Sie ist keine Zahl auf einem Garmin. Sie ist ein Gefühl.

Die Hyperrealität des Pendelns
Der Showroom wurde von vier riesigen Bildschirmen dominiert, die wie Fenster in die Hyperrealität des modernen Pendelns wirkten. Wir sahen Johannas Musen – echte Frauen, echte Pendlerinnen –, wie sie sich durch Londons urbanen Hindernisparcours bewegten.
Normalerweise sind unsere Produkte unsichtbar. Man sitzt buchstäblich auf ihnen. Siefunktionieren am besten, wenn man sie gar nicht bemerkt, weil nichts drückt. Aber hier, in diesem Raum, wurden die Sättel als Teil des Bühnenbilds zu zentralen Charakteren der Geschichte. Ein Produkt, das wir normalerweise unter Aspekten wie Druckverteilung und Fahrpositionen diskutieren, plötzlich als Teil einer Modegeschichte zu sehen, war... magisch.
Es gab eine wunderbare Mischung aus Verwirrung und Belustigung in den Gesichtern der Gäste in der ersten Reihe, als sie zu ihren Plätzen auf unseren maßgefertigten Sattelbänken geführt wurden. Es war der ultimative Test für unsere Ergonomie: Wenn man eine 20-minütige Runway-Show in einem strukturierten Rock bequem übersteht, haben wir unseren Job gemacht. Gemessen daran, dass die Hälfte der Menge noch lange nach dem Finale auf den Bänken lümmelte, haben wir den Test wohl bestanden.


Das Handbuch für Bewegung
Die Kollektion selbst war atemberaubend. Base-Layer aus Wolle wurden mit Kapuzen-Schal-Kombinationen gepaart, die so aussah, als könnten sie einem orkanartigen Gegenwind auf der London Bridge standhalten. Es gab Jacken mit Taschen auf dem Rücken – genau wie bei einem Radtrikot – und Hosensäume, die ordentlich in die Strumpfhosen gesteckt waren; ein Handgriff, den jeder Pendler schon einmal gemacht hat, wenn auch selten mit so viel Anmut.
Als das Licht anging und sich die Menge in Bewegung setzte, sahen wir unseren Schreiner-Freund auf Johanna zugehen und sie fest umarmen. Beim Verlassen der Show fühlte sich die Modewelt ein bisschen weniger einschüchternd an. Magie passiert, wenn man seine gewohnten Bahnen verlässt.
Johanna Parv beweist, dass man Ästhetik nicht für Funktion opfern muss. Man kann die Poesie der Bewegung haben und trotzdem einen Platz für den Schlüsselbund.
Wir haben bewiesen, dass die Distanz zwischen dem Arbeitsweg und dem Laufsteg nur so groß ist, wie man sie sich vorstellt.
Denn mal ehrlich: Wie viele Sattelmarken können von sich behaupten, es in die Vogue geschafft zu haben?
Sichtbarer Komfort und legendäres Design. Ein Fahrradsattel für alles.
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